Sonntag, 5. Juni 2016

Quo vadis, Zucht???

Aus aktuellem, wenn auch wenig schönem, Anlass, möchte ich ein wenig zur Zucht im Allgemeinen schreiben.
Wenn ich mir einen Welpen zur Weiterzucht behalte oder auch dazu kaufe, dann hat das ganz verschiedene Gründe. Zum einen muss man natürlich schauen, dass die Linien nicht zu eng gezogen werden. Es ist leichter immer mit dem selben Blut zu arbeiten, keine Frage; " da weiß man, was man hat" und kann ungefähre Voraussagen zu Aussehen und Wesen treffen.
Nur, man verändert auch nichts und kommt am Ende in den Inzuchtstrudel. DAS kann nicht der Weg sein. So hat man zwar vermeintlich das Aussehen gefestigt, öffnet aber unbekannten rezessiven Genen Tür und Tor.
Zum anderen bin ich bestrebt, Hunde zu züchten, die frei sind von den bekannten genetischen Erkrankungen. Das ist mit nur wenigen Hunden schwierig, bis unmöglich, aber ich versuche mein Bestes, trotzdem so viel wie möglich an Defekten auszuschalten.
Dann kommt noch die Epigenetik oben drauf! Das Wesen des zukünftigen Zuchthundes ist unendlich wichtig, gibt er es doch an seine Nachkommen weiter! Was nützt der schönste Hund, wenn er Wesensmängel hat, die seiner Familie das Leben zur Hölle machen?!?
Als nächstes schau ich mir den Knochenbau an. Hüfte, Schulter, Rücken.
Nun hab ich also ein Hundekind, dass ich mir auserkoren habe, lasse es wachsen, ziehe es sorgsam auf und irgendwann kommt der Tag der Abrechnung: was kann mir dieser Hund bringen in der Zucht? Was sind die Punkte, die dafür oder dagegen sprechen? Was überwiegt? Was kann ich züchterisch " brauchen", was eher nicht, was kann ich tolerieren, was eher nicht?
Das hört sich extrem theoretisch an und genau das ist es auch. Natürlich spielt auch die eigene Beziehung zu dem jeweiligen Hund eine Rolle bei der Entscheidung, aber, machen wir uns nichts vor, man kann nicht endlos viele Hunde halten und muss Entscheidungen treffen. Aber, eines sei gesagt: ich mache all die Tests nicht, um Hunde aus der Zucht auszuschließen, sondern, falls sie meinen Erwartungen in vielen Punkten entsprechen, die besten Verpaarungspartner für einander zu finden und am Ende zusammen zu führen!
Es muss jedem Züchter und Halter klar sein, die eierlegende Wollmichsau, die einfach in jeder Beziehung perfekt ist, die gibt es nicht!
Zucht soll verbessern! Für mein Empfinden müssen Welpen, die geboren werden, zumindest besser sein, als ein Elternteil und das auf das Gesamtpaket bezogen!
Zucht muss im Großen denken und darf nicht nur auf einen kleinen Ausschnitt seinen Fokus legen.
Wenn ich über genetische Probleme und Wesensmängel beim Collie spreche, dann ganz sicher nicht, um die Rasse kaputt zu reden, wie mir so gerne vorgeworfen wird. Warum sollte ich das auch tun? Ich liebe den Collie! Nur reduziere ich ihn nicht auf Ausstellungsergebnisse. Für mich ist er mehr, sehr viel mehr und DAS sollte jeder Züchter versuchen zu erhalten und zu verbessern!
Nun hört sich das sicher alles schlüssig an, aber so einfach funktioniert die Natur leider nicht. Es geht immer 2 Schritte vor und einen zurück, wenn man Pech hat, auch wieder zwei zurück. Da hab ich dann vielleicht den genetisch freien Hund, der dummer Weise Stehohren hat, oder übersteigerten Jagdtrieb zeigt. Da wähnte man sich ganz weit vorne und muss erkennen: " Das war nicht der richtige Weg" dumm gelaufen, vielleicht wieder Mal ein Jahr verloren. Das gehört dazu, so ist das eben mit der Zucht... Wenn ich ehrlich darüber spreche, dann rede ich die Rasse nicht kaputt, dann will ich sensibilisieren und aufklären. Viel zu lange haben so einige Züchter das Mäntelchen des Schweigens ausgebreitet über das ein oder andere Problemchen. DAS ist vielleicht vor Jahrzehnten angebracht gewesen, weil man es einfach gar nicht besser wusste, vieles auch wissenschaftlich noch nicht erklären konnte, aber genau das können wir jetzt und daher sollten wir nutzen, was die Wissenschaft uns an die Hand gibt und aufklären darüber, dass ein Züchter leider nicht zaubern kann und die Natur eben auch mal eigene Wege geht und nicht immer alles zu kontrollieren ist im Leben....

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