Samstag, 26. September 2020

Quo vadis Collie?

 Die Entwicklung des britischen Collies in den letzten Jahren macht mir Kopfzerbrechen...

Was sind das für Tiere, die plötzlich auf den Ausstellungen vorne stehen in der FCI? 

Kurze Köpfe mit deutlichem Stop, massige Schnauzen, kleine Augen und so viel Fell, dass man kaum mehr die Konturen dieser äußerst kleinen Hunde erkennen kann. Das sollen noch Collies sein?

Die Unmengen von Fell sind durch den normalen Halter nicht mehr zu bändigen. Wie sollen solche Hunde, wenn auch nur rein hypothetisch, eine Schafherde hüten können? Diese Tiere sind Lichtjahre vom Ursprung entfernt und machen mich einfach nur traurig. 

Ich mag das wehende Fell meiner Hunde, ihre raumgreifenden Bewegungen, die langen Nasen, die sie vorwitzig überall reinstecken, ihre vornehme Zurückhaltung Fremden gegenüber, aber man muss doch immer das Große Ganze im Auge behalten. Warum muss immer alles ins Extreme getrieben werden?

Ist es nicht viel schöner, wenn sie nicht aussehen wie geklont? Die Collies waren mal Arbeitshunde und wurden im Ursprung ausschließlich auf Leistung gezüchtet; es war egal, ob groß oder klein, ob schwarz oder weiß, ob Stehohr oder Kippohr. Die Leistung der Tiere und ihre Gesundheit waren das, was zählte.

Sicher braucht es einen Standard, der eine gewisse Richtung vorgibt und ein anzustrebendes Ideal, aber es braucht auch mutige Richter, die klar Grenzen setzen!

Es sollte eigentlich inzwischen auch gelungen sein, genetisch gesunde Hunde zu züchten... sollte, denn immer noch werden Würfe mit MDR1 Defekt, CEA und DM geboren, was mich nicht minder traurig macht.

Klar, jeder setzt andere Prioritäten, aber darf das auf Kosten der Tiere gehen? Die immer neuen Gentests, auf immer neu entdeckte Erkrankungen, machen uns Züchtern zu schaffen. Es ist ein teures Vergnügen und erschwert mögliche Verpaarungen, aber, ist es nicht das, was einen guten Züchter ausmacht? Ich lese immer wieder, ein Züchter soll die Rasse verbessern, sonst ist er ein reiner Vermehrer! Ich denke nicht, daß es um Verbesserung geht; ich denke, es wäre enorm viel gewonnen, wenn wir einfach alle versuchen würden, die Rasse im Ursprung und gesund zu erhalten!

Dazu braucht es neue Wege, braucht es den Blick über den Tellerrand! Dazu muss man sich manches Mal selber hinterfragen. Wir haben lange nachgedacht, wie wir auf all das reagieren sollen, denn irgendwann kommt man einfach an den Punkt, an dem neues Blut in der eigenen Zucht unabdingbar wird. Wir werden nun den Weg über den amerikanischen Collie gehen und ihn in unsere Linien vermehrt einfließen lassen.

Den Grundstein dazu haben wir mit Missy und Merlin gelegt. Dann folgten Thor und Paddy und wir werden, mit ein bisschen Glück, auch noch ein neues Mädchen bekommen im nächsten Jahr!

Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf die nächsten Jahre!



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